Laboratorien der Langsamkeit…

…oder warum uns nur Entschleunigung wirklich weiter bringt

“Meine Erfahrung mit der Zeit beschränkt sich nur noch auf das eine Gefühl: Sie fehlt”, stellt Neo-Filmemacher Florian Opitz in seinem aktuellen Wachrüttel-Streifen “Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” fest. “Irgendwie hab ich in den letzten Jahren gemerkt, dass etwas mit mir nicht stimmt. Ich hab keine Zeit.” Da schrillt sie, die geistige Alarmglocke. Voll erwischt, mitten im eigenen Leben.

Screenshot Trailer SPEED – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

3 Stunden, 30 Mails bing bing bing, woher kommt die Raserei und vor allem: Wo bringt sie uns hin? In eine wertelose Welt des Wettbewerbs, in der das ach so smarte Telefon den Takt angibt. Die wirklich großen Geschäfte werden in Mikrosekunden und Serverräumen von Nachrichtenagenturen gemacht. Hausverstand? Viel zu langsam. Menschliche Intelligenz? Nicht wettbewerbsfähig. Zeit ist Geld. Aber wo bleibt das Leben? Gibt es keine Alternative zur weltbestimmenden Rastlosigkeit?

“Das geht mir echt am A… vorbei.” stellt die Schweizer Bergbäuerin mit einer zeitlos entspannten Lässigkeit fest. “Versuch amol Computerkabel zu essen, wenns ernst wird. Wirst schon sehen, ob du satt wirst.” Mahlzeit, das sitzt. Betreten und vielleicht in klein wenig erleuchtet geh ich aus dem Kinosaal, greife nach dem iPhone… und deaktiviere die Mailfunktion. Blockiere einen Tag im Kalender nur für Stadt. Land. Leben., denn Brot backen entschleunigt, Adventkranz binden verbindet, Volkstanzen entspannt… Es sind kleine Laboratorien der Langsamkeit, die uns wieder bewusst machen, dass sich das Leben langsamer lebendiger anfühlt. Sie machen uns nicht reich, aber um vieles reicher… und am Ende der Tage vielleicht auch ein klein wenig glücklicher. (Antonia Pichler)